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Das Erfurter Tor (Rekonstruktion)
Das Erfurter Tor (Rekonstruktion)
Der Kindertanz

Im Jahre 1237, den 15. Juni, versammelten sich in Erfurt mehr als 1.000 Kinder, um in die sogenannte Wagde zu ziehen. Bei dieser Gelegenheit wurden sie von einer sonderbaren Tanzlust ergriffen. Unter Tanzen und Spielen kamen sie durch den Steigerwald über Waltersleben, Eischleben, Ichtershausen und Rudisleben nach Arnstadt, wo sie von den Bürgern freundlich aufgenommen und beherbergt wurden.

Als die geängstigten Eltern von den Arnstädtern den Aufenthaltsort ihrer Kinder erfuhren, zogen sie nach Arnstadt und brachten selbige auf Wagen und Karren wieder heim.

Den Arnstädtern aber, welche die Kinder so gastfreundlich aufgenommen hatten wurde der herzlichste Dank der Erfurter zuteil.


"Das Denken der Menschen im Mittelalter war häufig geprägt von Angst als Folge einer Vielzahl von Not- bzw. Leidenssituationen.
Daraus resultierende zum Teil markante Erscheinungen, zu denen auch eine häufig auftretende Tanzwut gehörte, ...die jeweils bestimmte Gruppen und Landschaften erfaßte als eine Reaktion auf Krieg, Seuchen, Unsicherheit, Feuer und Tod.
Schon ein geringfügiges Ereignis konnte den Ausbruch von Angst, Verzweiflung, aber auch Hoffnung auslösen." (Woeller, W.: "Volkssagen zwischen Hiddensee und Wartburg", VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1978, S. 170)



Quelle: Josef Czerny und Peter Unger - Gelb blüht die Wunderblume - Sagen und Überlieferungen aus dem Arnstädter Gebiet (1987)
Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.